Neue Bio-Hartweizensorten zwischen Klimaanpassung und Nudelqualität

von ALB-GOLD Teigwaren GmbH
Veröffentlicht durch Thomas Christensen
Veröffentlicht am 30.07.2026
 
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Gemeinsam mit dem Nudelhersteller ALB-GOLD entwickelt das Keyserlingk-Institut in Salem am Bodensee neue Hartweizenlinien für den ökologischen Landbau. Bildquelle: ALB-GOLD und Keyserlingk-Institut

Trochtelfingen, 27.07.2026 - Bio-Hartweizen braucht eigene Sorten. Davon ist Pflanzenzüchter Udo Hennenkämper überzeugt. Gemeinsam mit dem Nudelhersteller ALB-GOLD entwickelt das Keyserlingk-Institut in Salem am Bodensee deshalb neue Hartweizenlinien für den ökologischen Landbau. Hintergrund sind Zielkonflikte zwischen Ertrag, Widerstandsfähigkeit und Verarbeitungsqualität. Nach Aussage des Züchters Udo Hennenkämper liegt der Engpass für regionalen ökologischen Hartweizen nicht auf dem Acker, sondern in der Pflanzenzucht.

Warum Bio eigene Hartweizensorten braucht

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Bildquelle: ALB-GOLD und Keyserlingk-Institut

"Aktuell gibt es meines Wissens in Deutschland keine Durumsorte, die für den Ökolandbau mit seinen speziellen Anforderungen gezüchtet wurde", sagt der Initiator vom Keyserlingk-Institut. "Wir bewegen uns im Spannungsfeld zwischen robuster Pflanze und hoher Verarbeitungsqualität. Beides gleichzeitig zu erreichen, ist im ökologischen System deutlich anspruchsvoller."
Im Fokus steht die Entwicklung neuer Linien, die unter Praxisbedingungen im Bio-Anbau und in der Verarbeitung getestet werden. Ziel ist eine Sorte, die ohne chemischen Pflanzenschutz stabile Erträge liefert und zugleich die Anforderungen der Nudelproduktion erfüllt.

 
Analysen nach der Ernte im letzten Jahr zeigen Fortschritte, aber auch Defizite: Einzelne Linien erreichen gewünscht hohe Proteingehalte, weisen jedoch Schwächen bei funktionalen Qualitätsparametern wie dem Sedimentationswert auf: einem wichtigen Parameter für die Kleberqualität und damit für stabile Teige. Mit Spannung werden die Werte der kürzlich abgeschlossenen diesjährigen Ernte erwartet.

Agronomische Eigenschaften im Fokus

Im Bio-Anbau können solche Unterschiede kaum ausgeglichen werden. "Die genetischen Eigenschaften der Sorte entscheiden von Anfang an über den späteren Verarbeitungserfolg", so Udo Hennenkämper.


Zugleich gewinnen agronomische Eigenschaften an Bedeutung. Pflanzen mit größerer Blattmasse und tieferem Wurzelsystem deuten auf eine höhere Anpassungsfähigkeit an wechselnde Witterungsbedingungen hin. Und anders als in der konventionellen Züchtung gelten längere Halme im Ökolandbau nicht zwangsläufig als Nachteil. Sie fördern die Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern und gehen häufig mit tieferen Wurzelsystemen einher. 
Auf den Versuchsflächen wurden bei einzelnen Linien größere und glasigere Körner beobachtet als bei den parallel angebauten etablierten Sorten. Gleichzeitig verbessert sich die Homogenität der favorisierten Linien - ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer marktfähigen Sorte. 


Witterungseinflüsse bleiben ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Extreme Bedingungen können sowohl die Saatgutvermehrung als auch die Versuchsergebnisse beeinflussen. Neben bekannten Herausforderungen wie Fusarium rücken zunehmend neue Krankheitserreger in den Fokus. Deshalb werden die Zuchtlinien gezielt unter hohem Krankheitsdruck geprüft, um ihre Robustheit frühzeitig beurteilen zu können.

Saatgutvermehrung als weiterer Engpass

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Das Unternehmen zählt zu den bedeutendsten Teigwarenherstellern in Deutschland.

Neben der Sortenentwicklung gilt die Saatgutvermehrung als Engpass. Und es ist die Bereitschaft landwirtschaftlicher Betriebe gefragt, neue Linien unter Praxisbedingungen anzubauen. Für großflächige Versuche werden ausreichende Saatgutmengen benötigt. Deren Vermehrung ist unter Versuchsfeldbedingungen aufwendig. Bereits für die Aussaat auf einem halben Hektar Versuchsfläche werden rund 100 Kilogramm Saatgut benötigt. Gleichzeitig braucht es landwirtschaftliche Betriebe, die bereit sind, neue Linien unter Praxisbedingungen zu testen.
Langfristig hat die Züchtung auch wirtschaftliche Bedeutung. Bio-Hartweizen für die Verarbeitung wird bislang überwiegend importiert. "Ohne geeignete Sorten bleibt der heimische Bio-Hartweizenanbau begrenzt", erklärt ALB-GOLD Geschäftsführer Oliver Freidler. Er sieht in der Kooperation einen wichtigen Baustein zur Sicherung der Rohstoffe.


Das Projekt läuft seit 2011. Bis eine neue Sorte für den breiten Anbau verfügbar ist, vergehen meist 15 bis 20 Jahre - ein Zeitraum, der verdeutlicht, warum Öko-Pflanzenzüchtung zu den langfristigsten Innovationsprozessen in der Landwirtschaft zählt. 

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